Donnerstag, 26. Juli 2012

Der Nächste, bitte!


Eine neue Saison bedeutet auch immer gleichzeitig eine neue Chance. Eine neue Chance, endlich den Durchbruch zu schaffen und ein Star zu werden. Für die Mannschaft. Für die Liga. Für die Fans weltweit. 
Manche Spieler sind dies bereits in Ihrer Rookie Saison. Andere brauchen dafür etwas mehr Anlaufzeit. Beispiel gefällig? Ich erinnere gerne an Chauncey Billups, den 3rd Overall Pick aus dem Jahre 1997. Mit großen Erwartungen kam der damals 21-jährige in die NBA – und enttäuschte. In seinen ersten 4 Jahren spielte „Mr. Big Shot“ lediglich in 118 Partien und erzielte in dieser Zeit durchschnittlich 11,2 Punkte pro Spiel und 3,6 Assists. Nach seinem Wechsel zu den Detroit Pistons im Jahre 2002 ging es für Chauncey aber plötzlich steil bergauf. Er sollte (bis jetzt) 5-facher All-Star und in der Saison 2003-2004 sogar Meister werden. Ihr kennt die Geschichte. Dies ist nur ein Beispiel von vielen (s. Linsanity letzte Saison). Billups hatte seinen Durchbruch also vor 10 Jahren. Wer ist jetzt an der Reihe? Hier ist die Top 5 der Spieler, von denen diese Saison ein Durchbruch zu erwarten ist.


Nr. 5: Ricky Rubio, 21, Minnesota Timberwolves
Versteht mich nicht falsch. Rubio hat eine hervorragende Rookie Saison gespielt und wäre Kyrie Irving wohl auch noch gefährlich nahe bei der Wahl zum Rookie of the Year gekommen. Sein Knie verhinderte aber leider nicht nur diese persönliche Auszeichnung für ihn, sondern auch die Chance der Timberwolves, seit dem Abgang von Kevin Garnett, mal wieder Playoff-Luft zu schnuppern. Meiner Meinung nach hat Rubio das Potenzial der neue Jason Kidd oder Steve Nash zu werden. Mit 21 macht er bereits andere Spieler besser und verfügt über eine Courtvision, die sonst nur die ganz Großen besitzen. Auch in der Crunchtime bewies Rubio seine Stärke und konnte einige wichtige Würfe treffen. In seiner ersten Saison hat er, wie eben angedeutet, eine der schlechtesten Mannschaften der NBA wieder aufleben lassen und zu einem Playoffs-Aspiranten gemacht. Und ich würde jede Wette eingehen, dass es für die KO-Runde gereicht hätte, wenn da nicht diese Verletzung gewesen wäre. Bleibt Rubio gesund deuten alle Zeichen darauf, dass 2013 sein Jahr werden könnte. 


Nr. 4: Michael Beasley, 23, Phoenix Suns
Letzte Saison oft von Verletzungen geplagt, kam Beasley nur auf 47 Einsätze. Gleichzeitig lieferte er seine schlechtesten Karriereleistungen in MPG, PPG, RPG und FT%. Schade, da seine Leistungskurve in der Saison zuvor klar nach oben zeigte und er 19,2 PPG beisteuerte. Was dem 2ten Pick aus dem Jahre 2008 am meisten im Weg steht ist… er selber. Seine ganzen Eskapaden außerhalb des Platzes und die mentale Schwäche von Beasley halten ihn davon ab ein wirklich guter und vor allem konstanter Spieler zu werden. Der Wechsel zu den Suns sollte ihm gut tun. Er wird dort Einsatzzeit und Würfe bekommen. Reißt er sich zusammen, wird er wieder für ca. 20 Punkte pro Partie gut sein und schafft es vielleicht sich fest in der Top 10 der Small Forwards zu etablieren. Sein Talent dafür ist unumstritten.


Nr. 3: Stephen Curry, 24, Golden State Warriors
Gesegnet mit einem butterweichem Wurf ist Curry eigentlich ein Anwärter auf den 50-40-90 Club (FG%-3PT%-FT%). Auf diesem elitären Plateau befanden sich bisher nur 5 Spieler in der Geschichte: Steve Nash, Reggie Miller, Mark Price, Larry Bird und Dirk. Er ist einer der dynamischsten und aufregendsten jungen Spieler in der NBA. Von seinen Fähigkeiten her ein absolutes All-Star-Kaliber. Aber dann ist da dieser Knöchel. Dieser rechte Knöchel. Dieser verdammte, kaputte, rechte Knöchel, der bislang alles zu Nichte macht. Steph kam letzte Saison auf magere 26 Einsätze und einst verhaltene Stimmen werden immer lauter, dass die Sache mit seinem Fuß wohl eine karrierebeeinflussende werden könnte. Nichtsdestotrotz schoss Curry in seinen 26 Spielen Karrierebestwerte aus dem Feld und von der Dreierlinie (49% & 45,5%). Meine Prognose ist hier folgende: Spielt Curry nächste Saison +70 Spiele wird er in allen wichtigen Statistiken Bestwerte abliefern und die Warriors, auf langer Sicht, wieder relevant machen. Natürlich müsste für Zweiteres dazu auch Andrew Boguts Fuß heil bleiben aber das ist eine andere Geschichte… 


Nr. 2: O.J. Mayo, 24, Dallas Mavericks
Ja, O.J. Mayo ist nicht Deron Williams, Ja, O.J. Mayo hat es damals nicht ins Olympia Team der USA geschafft. Ja, O.J. Mayos Stats sind in den letzten beiden Jahren in den Keller gegangen. Nein, ich habe O.J. Mayo trotzdem noch nicht abgeschrieben. Viel wurde über den Shooting Guard aus Huntingtion, West Virginia in den vergangenen Tagen berichtet. Nach Dallas gescheitertem Vorhaben den dicken Fisch Deron Williams an Land zu ziehen, musste ein Plan B her. Die Vereinsführung krallte sich daraufhin Chris Kaman, Darren Collison und Dahntay Jones. In den Foren dieser Welt wurde Dallas kritisiert, dass das nicht reichen würde. Mayo solle man holen! Der kann was! Als ob Dallas diese Beiträge verfolgen würde, holten sie jenen einige Tage später nach Dallas. Dann hieß es in den Foren plötzlich: „Der ist nicht gut genug. Der ist doch schon auf dem absteigenden Ast!“ Manchen kann es halt nur schwer rechtgemacht werden. Fakt ist: Nachdem Mayo das Vertrauen in Memphis verloren hat, wird ihm ein Tapetenwechsel ganz gut tun. Wenn Dallas schlau handelt (was ja bekanntlich nicht Gang und Gebe ist), wird Mayo Ihr Starter auf der SG-Position und Carter kommt von der Bank. Mayo bewies am Anfang seiner Karriere, dass er, wenn er genug Vertrauen erhält und Würfe kriegt, ein durchaus produktiver und effektiver Spieler sein kann mit guten Quoten aus dem Feld. Nach dem Abgang von Jason Terry ist Dallas auf einen zweiten konstanten Scorer, neben Dirk, angewiesen. O.J. ist – von seiner Spielanlage her – wie gemacht für diese Aufgabe: guter Outside-Shooter, schneller und kräftiger Zug zum Korb und er hat keine Angst vor großen Würfen. Er meinte neulich in einem Interview, dass er spielerisch und mental besser sei als je zuvor. Das ist auch nötig, um endlich seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Die Mavericks sind wohl die letzte Chance des dritten Picks vom Draft 2008 endlich so gut zu werden, wie es jeder vor 4 Jahren erwartete. Die Tür dafür ist nun offen.


Nr. 1: Nicolas Batum, 23, Portland Trail Blazers
2,03m groß, 91kg schwer und eine Spannweite von 224cm: Nicolas Batum ist ein absoluter Modellathlet, der vor Potenzial schon fast überläuft. Zu seinen körperlich Attributen kommt außerdem noch solide Perimeter Defense und ein sicherer Schuss aus der Mittel- und Dreierdistanz. Batum, der beim Draft 2008 an 25ster Stelle gedrafted wurde, konnte sich bisher jede Saison verbessern und lieferte 2011/2012 knapp 14 Punkte im Schnitt ab. Die Trail Blazers sind sich seines Könnens ebenfalls bewusst und zogen (nach längerem Hick-Hack) mit dem Angebot der Timberwolves gleich, wodurch er in den nächsten 4 Jahren 46 Millionen Dollar bei den Blazers verdienen wird. „Das ist doch viel zu viel!“, höre ich da hinten jemanden grummeln. Der Knackpunkt ist, dass Batum sehr unter Trainer Nate McMillans System gelitten hat. Er wurde falsch eingesetzt und sollte zu einem Shooter aus der Ecke werden. Bei dieser Spannweite und Schnelligkeit sollte man den jungen Franzosen aber lieber slashen lassen oder in den Post schicken und seinen eigenen Wurf kreieren lassen. Dadurch wäre er ungemein schwer zu verteidigen. Mit dem neuen Coach in Rip City könnte sich also noch alles zum Guten wenden. Sky’s the limit, wenn Batum nächste Saison besser eingesetzt wird. Für mich ein Favorit auf den Most Improved Player Award.


Honorable Mentions: Paul George, Avery Bradley, Evan Turner, John Wall, Klay Thompson

Wer wird eurer Meinung nach nächste Saison seinen Durchbruch haben?

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